Das Stadtzentrum enger definieren


Diskussion über die Zukunft der Oltner Innenstadt in einer der Arbeitsgruppen.


SP-Tagung: Viele Anstösse, offene Fragen

Einkaufszentren, Onlinehandel, Digitalisierung von Dienstleistungen sorgen dafür, dass sich weltweit die Stadtzentren entleeren. An der Tagung „Neue Impulse für Oltens Innenstadt“ zeigten Referentinnen und Referenten, was Städte tun können, damit sie attraktive Orte der Begegnung bleiben.

Wie kann die Öffentlichkeit auf den Auszug des Detailhandels reagieren, fragte sich Dominik Hasler vom Netzwerk Altstadt im Fachreferat, das die gut besuchte Tagung der SP Olten eröffnete. Über die Raumplanung könne verhindert werden, dass Angebote des täglichen Bedarfs ausserhalb der Siedlungen entstehen. Weiter gelte es, das Stadtzentrum enger zu definieren, damit keine Lücken entstehen. Weil die Betreiber der Ladengeschäfte oft mit ihren eigenen, kurzfristig zu lösenden Problemen zur Genüge belastet seien, gelte es auch die langfristiger denkenden Eigentümer der zentralen Liegenschaften ins Boot zu holen, um Entwicklungsgemeinschaften zu bilden. Diese müssen sich (wie es in den Einkaufszentren geschieht) auf gemeinsame Öffnungszeiten einigen, einen idealen Ladenmix und eine ihnen angepasste Parkraumbewirtschaftung (häufiger Wechsel oder Langzeitparkierer) anstreben. Dominik Hasler empfahl auch, die grossen Anbieter (Migros und Coop) ins Boot zu holen, die Kunden mit speziellen Angeboten zu überraschen, mit Provisorien zu arbeiten, Schlüsselliegenschaften gezielt zu entwickeln, eine aktive Liegenschaftspolitik zu betreiben und eine Kultur der Partizipation zu leben.

Der zweite Redner der Tagung, Kurt Schneider arbeitet seit kurzem als Leiter Direktion Bau bei der Stadt Olten. Seit der Entstehung vor fünf Jahren ist der Aarauer aber Vorstandsmitglied des Vereins Aargauer Altstädte. Er ging zunächst auf die Erkenntnisse aus der Arbeit mit den 13 Aargauer Altstädten von Kaiserstuhl bis Zofingen ein. Eine besondere Herausforderung für Olten sei die Tatsache, dass die Stadt über zwei eigentliche Zentren links und rechts der Aare verfüge und dass der Bahnhof ausserhalb dieser Zentren liege.

Aktive Liegenschaftspolitik betreiben

Von einer aktiven Liegenschaftspolitik berichtete Rolf Walser, SP-Gemeinderat in Aarburg. Nachdem endlich die Ortskernumfahrung zustande gekommen war, begann die Gemeinde mit einer gezielten Entwicklung der Altstadt, des Bahnhofgebiets und attraktiver Wohnzonen. Viele junge Pendlerinnen und Pendler sind seither zugezogen, so dass heute über 8000 Menschen im Städtchen leben.

Dass es sich lohnt zusammenzustehen, betonte Dunja Rutschmann aus Stans, Präsidentin der dortigen Ladenvereinigung. Die 45 im Verein zusammengeschlossenen Ladenbesitzer treten gegenüber der Gemeinde und der Öffentlichkeit auf. Die Stanser Ladenbesitzer organisieren gemeinsame Aktionen. Der Verein wird aktiv, wenn in einer Liegenschaft ein Leerstand droht. Er hilft bei der Suche nach Nachfolgern und bemüht sich den Ladenmix im Ort zu verbessern.

Über eine neue Art Orte zu vitalisieren, berichtete Emilie Etesi von der Genossenschaft VillageOffice. Diese setzt sich dafür ein, dass Menschen dort arbeiten können, wo sie wohnen. Viele Berufe sind heute nicht mehr ortsabhängig, ein Laptop und ein Internetanschluss reichen als Arbeitsgrundlage. Ein VillageOffice bietet Mitarbeitenden und Selbständigen gemeinsame Büroräumlichkeiten vor Ort.

Neues und Spontanes zulassen

Carla Pfister als Vertreterin von Pro Kultur Olten betonte, dass es in der Stadt nicht an Ideen und Initiativen fehle. Doch Neues und Spontanes werde oft nicht mit Freude aufgenommen. Diejenigen, die kreative Kulturangebote erarbeiten sehen sich zu oft in der Defensive. Auch Corina Bolliger, die für die Junge SP seit einem guten Jahr im Oltner Parlament politisiert, setzte sich mit den Grenzen des Machbaren auseinander. Doch die vielen Jungen, die von den Wählerinnen und Wählern ins Parlament gewählt worden seien, hätten den Auftrag, revolutionären Ideen zum Durchbruch zu verhelfen .So forderte sie etwa ein breit zugängliches Aareufer; mehr sozialen Wohnungsbau; Generationenhäuser; eine Jugendherberge; offene Werkstätten oder eine Veloschnellroute über die City-Kreuzung.

Gute Ideen – Wie umsetzen?

Wenn Oltens Innenstadt lebendig bleiben soll, gibt es Handlungsbedarf. Darin waren sich die zwei Arbeitsgruppen einig, die am Diskussionsteil der SP-Tagung vom 17. November mitmachten.

Gibt es bald eine Hängebrücke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Klosterplatz? Gibt es in der Innenstadt grüne Nischen mit Ziegen und Schafen und eine permanente Open-Air-Bühne? Oder ein Parkhaus? Diese und viele andere Ideen wurden zur Diskussionen gebracht. Mehr noch wurden Fragen gestellt: Soll sich Olten auf ein innerstädtisches Zentrum auf der linken Aareseite konzentrieren oder soll das Bifang ein zweites Zentrum bilden? Wie lässt sich der stark frequentierte Bahnhof besser an die Innenstadt anbinden? Wie werden bei leerstehenden Geschäftsräumen Zwischennutzungen möglich? Wie gelingt es, Eigentümer für neue Nutzungen zu gewinnen? Lässt sich die Post an einen attraktiveren Ort zügeln?

Nicht zu überhören waren aber auch die Rufe nach mehr Zusammenarbeit in der Politik und einem grösseren Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Obwohl die SP-Stadtpartei den Anlass als offene Tagung bewarb, rekrutierten sich drei Viertel der Teilnehmenden aus ihren Reihen. Vertreter des Gewerbes waren kaum gekommen. Um die in den Referaten und Diskussionen aufgezeigten Probleme und Lösungen erfolgreich anzugehen, könne eine Partei allein aber wenig ausrichten, wurde betont. Um Oltens Innenstadt lebendig zu erhalten, müssten sich die verschiedenen Akteure zusammensetzen und die über lange Jahre dominierende Konfrontationspolitik überwinden.   Eugen Kiener


„Neue Impulse für Oltens Innenstadt“
Das war das Programm der offenen Tagung

Samstag, 17. November 2018, 10.00 bis 15.45 Uhr
Stadthaus, Parlamentssaal, Dornacherstrasse 1, 4600 Olten

10.00 Begrüssung
10.15 Fachreferate
Paul Dominik Hasler, EspaceSuisse, Dialog Siedlung;
Kurt Schneider, Verein Aargauer Altstädte, Leiter Direktion Bau Olten;

11.30 Kurzreferate
Dunja Rutschmann, Präsidentin Verein Stanser Ladenbesitzer; Inhaberin des Ateliers Weiblicher im Trachtenstübli
Rolf Walser, Gemeinderat, Aarburg;
Carla Pfister, Pro Kultur Olten;
Emilie Etesi, VillageOffice Genossenschaft
Corina Bolliger, Junge SP Region Olten

13.00 Diskussion in Gruppen
14.30 Präsentation der Gruppenresultate im Plenum
15.15 Zusammenfassung und Ausblick
15.45 Schluss

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